· 

Geht heute noch plastikfrei?! - Ein Selbstversuch - Teil 5

Monat 2 beginnt und Fotograf Steve Burk macht seine ersten Erfahrungen in Woche 5, um komlett auf Plastikprodukte zu verzichten. Wie schwer es ist von heute auf morgen auf Plastik zu verzichten und vor allem welche Alltags-Dinge uns aus Plastik begleiten erfährst Du jetzt.


© Steve Burk / Plastikfrei Challenge

© Steve Burk / Plastikfrei Challenge

Ich stehe an der Käsetheke…

 

und am Anfang meines plastikfreien Monats. Die Fachverkäuferin erklärt mir gerade dass sie mir den Gouda leider nicht in die mitgebrachte Tupperware einpacken darf, mir die Scheiben aber gerne in Papier einpackt. „Auch gut“ denke ich mir, bedanke mich und mache mich auf die Suche nach einer geeigneten Butter oder Margarine. An die 20 verschiedene Sorten finde ich im Kühlregal, alle irgendwie mit Plastik in Kontakt. Ich weiche auf Kokosöl aus, welches ich später nicht nur aufs Brot schmiere, sondern auch mit Birkenzucker, Natron und Teebaumöl mische – Voilà, fertig ist die eigene Zahnpasta ohne Gedöns.


Zuhause angekommen freue ich mich aufs Frühstück und stecke das Brot vom Bäcker in den Toaster. Ich öffne das Käsepapier und sehe ein Schimmern, erzeugt durch Reflexionen meiner Küchenlampe, auf der Innenseite der Verpackung. Dieses Schimmern offenbart mir das zuvor verdeckte Geheimnis: Zwischen Milchprodukt und Papier befindet sich eine feine Kunststoffschicht.
So habe ich mir das nicht vorgestellt.


Als ich später wieder an der Käsetheke im Rewe stehe, frage ich höflich ob es denn möglich sei mir den Käse in ein selbst mitgebrachtes Stück Papier einzuwickeln. „Nein.“ Na gut, dann eben kein Käse mehr vom Supermarkt.


Einige Dinge kann ich aber noch mitnehmen. Obst und Gemüse packe ich in Baumwollnetze und ansonsten wird sehr vieles im Glas gekauft. Eingelegte Gurken, Tomaten, Oliven und statt Käse gibt es vegane Brotaufsriche. Ich wollte mich sowieso veganer ernähren. Milchalternativen, wie Hafer- oder Reismilch gibt es aber nur im Tetrapack.

 

Um mich einzudecken versuche ich also mein Glück im „Schüttgut“ im Stuttgarter Westen und im „Ohne Plapla“ in Ludwigsburg. Die Läden bieten, neben Lebensmitteln, auch fast alles an was ich so im Haushalt an Verbrauchsmaterial brauche. Das Prinzip der beiden Geschäffte ist gleich. Die meisten Produkte fülle ich in selbst mitgebrachte Behälter und wiege sie ab. Obst und Gemüse gibt es lose, Hygieneartikel teilweise in Papier oder ebenfalls lose. Die Erzeugnisse sind alle von Bio-Qualität, zumeist regional und saisonal.


Die gesamte Auswahl erscheint mir, im neu eröffnetem „Ohne Plapla“, etwas umfangreicher, das kann aber auch der größeren Ladenfläche geschuldet sein, dadurch wirkt das Geschäft übersichtlicher. Ich finde unter anderem Nudeln, Müsli, Shampoo und endlich einen nackten Käse.
Nur Milchersatz finde ich auch hier keinen. Der Geschäftsführer von ohne Plapla erklärt mir dass das Problem bekannt sei und leider noch keine Alternative gefunden wurde. Immerhin wird aber auf Anfrage Mandelmilch im Laden produziert. Über den Preis konnte mir noch keine Auskunft gegeben werden, da sich das kleine Unternehmen noch in der Startphase befindet.

 

Leider gilt „Weniger ist Mehr“ beim Plastikverbrauch auch in finanzieller Hinsicht. 66,71€ habe ich die Woche über für Alternativprodukte ausgegeben. 40€ mehr als in der Kontrollwoche. Inbegriffen sind aber auch viele plastikfreie Neuanschaffungen wie Zahnbürste, Wattestäbchen oder Klarspüler. Zudem habe ich einige Lebensmittel auf Vorrat gekauft da beide Unverpackt-Läden einen weiteren Anfahrtsweg für mich bedeuten. Somit hoffe ich nächste Woche auf bessere Bilanzen.

 

Wie ihr im Bild sehen könnt, sind mir noch ein paar Fehler unterlaufen. Meine neue SIM-Karte kam natürlich im Plastikformat, ein gedankenverloren geöffnetes Hustenbonbon war zuvor genauso eingeschweißt wie ein Spülmaschinentab und die Kondomproblematik bleibt wohl bestehen da wir keine zufriedenstellende Alternative finden konnten.

 

Wöchentliche Updates zum Projekt gibt es weiterhin auf meiner Instagramseite „Burkfoto“.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0